Mit den Ergeb­nis­sen der Strate­giew­erk­statt Indus­trie der Zukun­ft will der Freis­taat Sach­sen den Weg für eine inno­v­a­tive, wet­tbe­werb­s­fähige Indus­trie ebnen, die weniger abhängig von Zulief­er­ern ist und die kom­plexe Wertschöp­fung­sprozesse in der Region zusammenführt. 

Wir befind­en uns bere­its inmit­ten eines grundle­gen­den wirtschaftlichen Wan­dels. Viele tra­di­tionelle Geschäftsmod­elle in der Indus­trie wer­den schon in weni­gen Jahren obso­let sein. Bei der Ableitung von Maß­nah­men aus den strate­gis­chen Zie­len der Strate­giew­erk­statt sind aus unser­er Sicht fol­gende Über­legun­gen von zen­traler Bedeutung:

// Indus­trien der Zukun­ft fördern, nicht nur die Zukun­ft der Indus­trie in den Blick nehmen: Um den Wirtschafts­stan­dort Sach­sen zukun­fts­fähig zu gestal­ten, gilt es die Indus­trien der Zukun­ft zu fördern. Hierzu zählen ins­beson­dere die IKT- und Kreativbranchen. Aber auch die klein­teilige Wirtschaftsstruk­tur im Freis­taat, tra­di­tionell die Basis des säch­sis­chen Unternehmer­tums, gilt es zukun­fts­fähig zu gestal­ten. Im Mit­telpunkt aller Aktiv­itäten sollte die Förderung von neuem Unternehmer­tum im tra­di­tionell gewach­se­nen Wirtschaft­sraum Sach­sen ste­hen. Damit sind auch gezielte Maß­nah­men im ländlichen Raum neb­st Schaf­fung geeigneter Rah­menbe­din­gun­gen (Mobil­ität, dig­i­tale Infra­struk­tur, Kul­tur usw.) notwendig.

// Von KMU inno­v­a­tiv zu KMU koop­er­a­tiv – Inno­va­tio­nen entste­hen heute vielfach an den Schnittstellen von Indus­trien und etablierten Wertschöp­fungsmustern. Bere­its heute holen viele große Unternehmen gezielt unkon­ven­tionelle Per­spek­tiv­en ins Unternehmen. For­mate, die solche Ansätze auch für die hochspezial­isierten Kle­inst- und Klei­n­un­ternehmen ohne strate­gis­che F&E‑Prozesse nutzbar machen, müssen gefördert wer­den. Dies gilt auch für wirtschaft­sna­he Ver­bände und Verwaltungen. 

// Die Kul­tur- und Kreativwirtschaft ist die Schlüs­sel­branche für den wirtschaftlichen Wan­del. Dabei ist sie nicht nur Part­ner für Inno­va­tio­nen in anderen Branchen, son­dern selb­st Aus­gangspunkt für völ­lig neue Wertschöp­fung­sprozesse in der Region. Sie kann selb­st als Her­steller auftreten und sich der Leis­tun­gen von Indus­triebe­trieben bedi­enen. Sie kann eben­falls über dig­i­tale Plat­tfor­mökonomie neue und lan­derüber­greifende Geschäfts­felder eröff­nen. Wenn sich das Wirtschaftsmin­is­teri­um Vorschlä­gen der säch­sis­chen Kul­tur- und Kreativwirtschaft zur Plat­tfor­mökonomie ver­schließt, wer­den diese Wertschöp­fung­sprozesse in Zukun­ft durch chi­ne­sis­che oder US-amerikanis­che Plat­tfor­men außer­halb der Ein­fluss­bere­iche wirtschaft­sna­her Ver­bände, Ver­wal­tun­gen oder der Poli­tik abgewickelt.

// Investi­tio­nen in Köpfe und konkrete unternehmerische Pro­jek­te: Es muss eine grundle­gende Änderung in der Förder­logik erfol­gen. Derzeit wer­den maßge­blich Inter­mediäre finanziert. Eine finanzielle Ent­las­tung, ins­beson­dere bei Steuern und Abgaben, von Erst­grün­dun­gen sowie Kle­inst- und Klei­n­un­ternehmen würde den Unternehmen direkt zugute kom­men. Ver­wal­tungskosten kön­nten dadurch reduziert und ein weit­er­er Aus­bau der Staat­squote ver­mieden werden.

// Inno­va­tion hat heute viele Gesichter. Wir plädieren für ein Main­stream­ing von nicht-tech­nis­chen Inno­va­tio­nen in der Inno­va­tions­förderung. Das erweit­erte Inno­va­tionsver­ständ­nis des Freis­taats Sach­sen muss sich auch in förder­poli­tis­chen Maß­nah­men wider­spiegeln. Der Bund geht hier ab 2019 mit einem neuen Pro­gramm zur Förderung nicht-tech­nis­ch­er Inno­va­tio­nen nach jahre­langer Lob­b­yarbeit der Kreativver­bände endlich neue Wege.

// Fachkräfte für die Indus­trie der Zukun­ft gewin­nen heißt auch: neue und zeit­gemäße Aus­bil­dungsin­halte erar­beit­en. Ansätze wie indus­try-led-edu­ca­tion müssen stärk­er berück­sichtigt werden.

// Wer Inno­va­tio­nen fördert, muss selb­st inno­v­a­tiv agieren. Das bedeutet: Dig­i­tal­isierung aller Antragsprozesse und Bericht­sprozesse, nicht nur aus­gewählter Förder­pro­gramme. Die Ver­wal­tung und den fördern­den Organ­i­sa­tio­nen soll­ten hier­bei in viel stärk­erem Maße auf kul­tur- und kreativwirtschaftlich­er Leis­tungsträger mit ihrer Exper­tise zu Prozessver­schlankung und ‑dig­i­tal­isierung sowie zur Kom­mu­nika­tion zurückgreifen.

Dres­den, 14. Novem­ber 2018